"Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen": 22 weitere Kommunen nehmen teil

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Gespeichert von chefredakteur am 4. November 2014 - 10:35

"Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen": 22 weitere Kommunen nehmen teil

Weitere 22 Kommunen sind ab sofort Teil der Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen". Eines der zentralen Vorhaben der Landesregierung – die vorbeugende Politik – geht damit in die Fläche. Zusammen mit den 18 Kommunen aus dem 2012 gestarteten Modellvorhaben umfasst das Netzwerk in der ersten Ausbaustufe jetzt 40 Kommunen. Dadurch werden 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen erreicht.

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Die Initiative "Kein Kind zurücklassen" setzt auf eine Politik der Vorbeugung, die allen Kindern gleiche Chancen auf ein gutes Aufwachsen, auf Bildung und auf gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen soll – unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und vom Geldbeutel ihrer Eltern. Es geht darum, die gesamte Entwicklung eines Kindes besser in den Blick zu nehmen und den Familien bestmöglich und frühzeitig helfen zu können. Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, aber auch Kitas, Schulen, Sportvereine, Jugendämter, Ärzte, die Polizei sollen dabei systematisch zusammenarbeiten. Das fängt schon bei der Schwangerschaft an und geht bis zum Eintritt in das Berufsleben.

 

"Ich freue mich, dass wir nach den positiven Erfahrungen der Modellphase die Landesinitiative 'Kein Kind zurücklassen!' nun ausweiten. Wir haben von Anfang an gesagt, dass alle Kommunen in Nordrhein-Westfalen von den bisherigen Erkenntnissen profitieren sollen. Dieses Versprechen setzen wir nun um. Ich gratuliere allen Kommunen, die Teil dieses erfolgreichen Netzwerkes sind und freue mich auf die Zusammenarbeit", sagte Familienministerin Christina Kampmann.

Wir haben von Anfang an gesagt, dass alle Kommunen in Nordrhein-Westfalen von den bisherigen Erkenntnissen profitieren sollen. Dieses Versprechen setzen wir nun um.

Unter den neuen Kommunen befinden sich acht kreisfreie Städte: Aachen, Bochum, Bottrop, Herne, Köln, Krefeld, Leverkusen und Mülheim. Daneben beteiligen sich acht Kreise: Kreis Coesfeld, Kreis Euskirchen, Kreis Herford, Kreis Lippe, Kreis Recklinghausen, Rheinisch-Bergischer Kreis, Kreis Siegen-Wittgenstein und Kreis Steinfurt. Darüber hinaus sind sechs kreisangehörige Städte nun Teil der Landesinitiative: Ahlen, Brühl, Dinslaken, Gummersbach, Monheim und Neuss.

Sie alle entwickeln einen eigenen Präventionsansatz, der aus drei Teilen besteht: Einem individuellem Leitbild, das die Ziele der eigenen Präventionsarbeit konkretisiert. Außerdem einer Präventionskette, die die vorhandenen Kräfte und Angebote in den Städten und Gemeinden bündelt und Angebote der Bereiche Gesundheit, Bildung, Kinder- und Jugendhilfe und Soziales miteinander verknüpft, sowie einem sozialräumlichem Monitoring, das die Effekte in den einzelnen Kommunen untersucht. Wichtig dabei ist: Eine Lösung für alle gibt es nicht. Deswegen folgt die Landesinitiative dem Grundsatz "Ungleiches ungleich behandeln" und setzt auf individuelle Lösungen.
 
Mit der ersten Ausbaustufe von "Kein Kind zurücklassen!" wird außerdem eine zentrale Empfehlung der wissenschaftlichen Begleitforschung umgesetzt, die positiven Erfahrungen aus dem Modellvorhaben in die Fläche zu bringen. Die Landesregierung verspricht, dass alle interessierten Kommunen aus Nordrhein-Westfalen bis 2020 Teil der Landesinitiative werden können. Insgesamt werden für die Ausweitung von "Kein Kind zurücklassen!" Mittel des Landes Nordrhein-Westfalen und des Europäischen Sozialfonds in Höhe von insgesamt 2,3 Millionen Euro pro Jahr investiert. Jede neue Kommune erhält eine jährliche Förderung in Höhe von 30.000 Euro zur Koordinierung der Präventionsarbeit vor Ort. Gemeinsam mit den anderen teilnehmenden Kommunen arbeiten die Städte und Gemeinden in einem Netzwerk zusammen. Hier tauschen sie sich über gelingende Ansätze in der Prävention aus.

Die Landesinitiative "Kein Kind zurücklassen!" wurde zwischen 2012 und 2016 in einer Modellphase mit 18 Kommunen erfolgreich erprobt. Die Erfahrungen zeigen, dass Prävention wirkt und sich rechnet. Auch über die Landesgrenzen hinweg findet die Politik der Vorbeugung Beachtung. So gab es Delegationsbesuche aus den österreichischen Bundesländern Vorarlberg und Steiermark. Vorarlberg setzt unter der dem Titel "Vorarlberg lässt kein Kind zurück!" bereits einen identischen Ansatz um. Auch das Saarland interessiert sich für "Kein Kind zurücklassen!". Ebenso hat die Weltgesundheitsorganisation erst im November des vergangenen Jahres die Landesinitiative als gutes Praxisbeispiel in der Präventionsarbeit vorgestellt.
 
Das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport ist im Rahmen von "Kein Kind zurücklassen! Für ganz Nordrhein-Westfalen" für die operative Umsetzung zuständig. Auch die Bertelsmann Stiftung wird beim Thema kommunale Vorbeugung aktiv bleiben und stellt den Kommunen ihr Forschungswissen zur Verfügung. Die neuen Kommunen werden wissenschaftlich durch das Institut für soziale Arbeit e. V. beraten.
 

Weitere Informationen:

"Kein Kind zurücklassen!" wird ausgeweitet

Nach dem Erfolg des Modellvorhabens soll "Kein Kind zurücklassen!" jetzt auf weitere 22 Kommunen ausgeweitet werden. Kinder- und Jugendministerin Christina Kampmann lud deshalb in Bielefeld, Dortmund, Köln, Düsseldorf und Münster zu fünf Regionalkonferenzen ein. Eingeladen waren Landrätinnen und Landräte, Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie die für den Bereich Jugendhilfe zuständigen Dezernentinnen und Dezernenten. Ziel der Regionalkonferenzen war es, in den Kommunen präventives Handeln zugunsten von Kindern zu etablieren.
 
Die bisherigen Modellkommunen werden dabei eng in die landesweite Verbreitung eingebunden. So sollen sie in einem von der Landesregierung organisierten Lernnetzwerk ihre Erkenntnisse an die jetzt und später hinzukommenden Kommunen weitergeben und neue Ansätze entwickeln.
 
Bis Mitte November 2016 konnten Kommunen ihr Interesse bekunden. In Kürze werden aus dem Bewerberpool 22 Kommunen benannt, die die Gelegenheit bekommen, an der ersten Runde der Landesinitiative teilzunehmen. Das Land unterstützt sie durch zweijährige individuelle Beratung, die Aufnahme in das Lernnetzwerk mit den erfahrenen Kommunen sowie mit rund 30.000 Euro im Jahr.
 
Das im Jahr 2012 in 18 Kommunen, kreisfreien Städten und Kreisen gestartete Modellvorhaben „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor“ hat gezeigt, wie vorbeugende Politik erfolgreich in den kommunalen Alltag übersetzt werden kann. "Diese Erfahrungen gilt es jetzt in die Fläche zu tragen. Wir wollen, dass mehr Kinder und Jugendliche bessere Chancen erhalten", so Ministerin Kampmann. Ziel ist es, dass jede Kommune in Nordrhein-Westfalen Prävention stärkt und einen eigenen Ansatz bestehend aus Präventionsleitbild, Präventionskette und Präventionsmonitoring für sich entwickelt.
 
Die Landesregierung steht für eine Politik der Vorbeugung. Alle Kinder sollen die gleichen Chancen haben auf ein gutes Aufwachsen, auf Bildung und auf gesellschaftliche Teilhabe – unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und vom Geldbeutel ihrer Eltern. "Eine konsequente Politik der Vorbeugung ist wichtig für unsere Kinder. Mit niedrigschwelligen Unterstützungsangeboten wollen wir insbesondere Familien in schwierigen Lagen und akuten Belastungssituationen erreichen", so Ministerin Kampmann.

Ergebnisse aus dem Modellvorhaben (2012 - 2015)

Im Rahmen des Modellvorhabens "Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor" wurden zwischen 2012 und 2015 in 18 Modellkommunen kommunale Präventionsketten aufgebaut. Kinder, Jugendliche und Eltern erhalten durch Präventionsketten frühzeitig und passgenau die Unterstützungsmaßnahmen, die sie bei Bedarf brauchen – von der Schwangerschaft bis zum Eintritt in das Berufsleben. Dabei sollen die unterschiedlichen Angebote und Maßnahmen der Jugendhilfe, des Gesundheitswesens, des Bildungs- und des Sozialbereichs besser vernetzt und koordiniert werden.

Nach knapp vierjähriger Modellphase fällt die Abschlussbilanz des Modellprojekts durchweg positiv aus: Vorbeugen ist besser als heilen – dies haben die kürzlich veröffentlichten Abschlussberichte der kommunalen Begleitung durch das Institut für soziale Arbeit (ISA) sowie der Bertelsmann Stiftung eindrucksvoll bewiesen.
 
Die von der Bertelsmann Stiftung beauftragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten nachweisen, dass Prävention Kindern hilft! Dies gilt insbesondere für Kinder aus armen Familien und Familien mit Migrationshintergrund, die in der Regel mehr Unterstützungsbedarf haben, um Armutsfolgen, wie Bildungsbenachteiligung oder gesundheitliche Beeinträchtigungen, zu vermeiden. Die Analyse der kommunalen Daten zeigt, wie gerade hier die Chancen für ein gelingendes Aufwachsen verbessert werden: Ein langjähriger Kitabesuch, Sport im Verein und der Besuch besonders gut ausgestatteter Kitas fördern signifikant die Sprachbildung der Kinder. Das Familienministerium hat hieraus bereits Lehren gezogen und finanziert vermehrt Kitas in sozial schwierigen Quartieren über die Regelfinanzierung hinaus (plusKitas) und mit zusätzlichen Sprachfördermitteln des Landes.

Die Bertelsmann Stiftung hat ein Beobachtungssystem entwickeln lassen, das den Anspruch hat, langfristige Entwicklungen beim Aufwachsen von Kindern in den Kommunen transparent und messbar zu machen. Prävention braucht einen langen Atem. Zu empfehlen ist, ein sozialräumliches Monitoring nachhaltig zu etablieren. Es hilft auch, den Einsatz finanzieller Mittel zu Aufbau und Optimierung von Präventionsketten besser steuern zu können.
 
Die Untersuchungen zu "Kein Kind zurücklassen!" machen deutlich, wie und welche Unterstützungsangebote Familien in Risikolagen und akuten Belastungssituationen erreichen: niedrigschwellige Angebote und solche, die betroffene Familien aufsuchen, machen die Qualität von Präventionsketten aus. Die besten Präventionswirkungen gehen von sozialen Diensten und Einrichtungen aus, die zu den Regelangeboten wie Kitas oder Schulen gehören. Beratende und begleitende Angebote wie beispielsweise die Schwangerschaftsberatung, Familienzentren oder die Erziehungsberatung erreichen Familien in akuten Belastungssituationen – und diese sogar besser als den Durchschnitt der Familien insgesamt. Insbesondere der klar verbesserte Informationsaustausch und die engere Verzahnung der Angebote gehören zu den Schlüsseln des Erfolges.

Wie eine umfangreiche Familienbefragung ergab sollten die Bereiche Gesundheit und Schule in der Kommune stärker in die Präventionspolitik einbezogen werden. Sozial-medizinische Angebote erreichen alle Familien, finden in der Präventionspolitik bisher aber eher wenig Beachtung. Hier liegen noch ungenutzte Möglichkeiten für die Kommunen, heißt es in dem Bericht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
 
Im Rahmen der Untersuchung wurde auch festgestellt, dass es Angebote gibt, die Familien in Risikolagen schlechter erreichen. Hierzu zählen insbesondere Kurs- und Gruppenangebote, die eine regelmäßige und auf Dauer angelegte Teilnahme erfordern und oft auch kostenpflichtig sind.
 
In einer Verwaltungsstudie wurde festgestellt, dass eine gute kommunale Prävention weniger von der finanziellen Lage der Stadt oder des Kreises abhängig ist. Vielmehr ist die Unterstützung der kommunalen Spitze von entscheidender Bedeutung. Die Ausrichtung der Verwaltung auf Prävention muss "von oben" gewollt, und "von unten" entwickelt werden. Leitbildprozesse wie die in den Modellkommunen Münster oder Gladbeck sind hierbei hilfreich.
 
Insgesamt bestätigen die Untersuchungen, dass die Präventionspolitik des Landes in den Kommunen angekommen ist. Prävention sei inzwischen kommunale Praxis und ein zentrales Thema der Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung - besonders in den Modellkommunen, aber auch in den Kommunen in NRW insgesamt. Drei Viertel (75,2 Prozent) der von der Bertelsmann Stiftung befragten Dezernenten gaben an, dass das Thema "Prävention" einen hohen oder sehr hohen Stellenwert in ihrer Kommune genießt. Dieser Wert lag vor fünf Jahren – vor dem Start des Programms – nur bei 38,6 Prozent.
 
In allen Modellkommunen sind Präventionsketten mit eigenen Schwerpunkten etabliert worden. Welche Arbeitsschritte gemacht werden müssen, was dabei zu beachten ist und was eine gute Präventionskette ausmacht stellt der Bericht der Landeskoordinierungsstelle in Trägerschaft des Instituts für soziale Arbeit (ISA, Münster) dar .
 
Viele Erkenntnisse im Modellvorhaben wurden durch interkommunalen Austausch (Lernnetzwerk) und die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Kommunen und Land gewonnen. Hieran gilt es auch in Zukunft anzuknüpfen: Die Erkenntnisse werden landesweit verbreitet, das Modell soll zum Regelfall werden.
 
Alle Berichte und weitere ausführliche Informationen zu "Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor" finden Sie hier.
 

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